Werbetechnik und Nachhaltigkeit müssen sich nicht ausschließen

Obornik Werbetechnik Leif Obornik 3

Für Geschäftsführer Leif Obornik schließen sich Werbetechnik und Nachhaltigkeit nicht aus, auch wenn es noch viel zu tun gibt, vor allem von Seiten der Material-Hersteller. Wichtig war für ihn, überhaupt mit dem Thema Klimaschutz anzufangen. (Bild: Obornik Werbetechnik)

Was in der Druckindustrie längst zum „guten Ton“ gehört, steht in der Werbetechnik noch ganz am Anfang: die klimaneutrale Produktion. Dass es trotz (noch) fehlender Kennwerte für Materialien jede Menge gibt, das Unternehmen für mehr Nachhaltigkeit tun können, beweist Leif Obornik, der seinen Betrieb – die Obornik Werbetechnik KG in Hildesheim – als einen der ersten in Deutschland klimaneutral gestellt hat. Dabei geht das Engagement des Hildesheimers weit über die Kompensations-Zertifikate hinaus.

Die Obornik Werbetechnik KG ist ein klassischer Werbetechnik-Betrieb. 1977 als Schildermalerei in Hildesheim gegründet, bietet das Unternehmen heute mit einer eigenen Fertigung, inklusive Druckproduktion, Schlosserei, Lackiererei und Montage (fast) alles an, was in der Welt der Werbung gefragt ist – vom kleinen Türschild bis zum großen Werbepylon, von LED- und Profil-Buchstaben bis hin zu Leuchttransparenten oder Sonderanfertigungen für Museen und Ausstellungen. Dabei bedienen Geschäftsführer Leif Obornik und sein 20-köpfiges Team unter anderem Handwerksbetriebe, öffentliche Einrichtungen und Ämter, Vereine und Baugesellschaften, ebenso wie andere Industriezweige und hin und wieder auch Privatkunden.

Kooperation statt Konkurrenz

Seit dem Jahr 2000 ist der Hildesheimer Spezialist außerdem Teil des Werbeland-Verbundes, in dem sich Werbetechnikbetriebe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammengeschlossen haben, um sich bei der Abwicklung überregionaler Projekte zu unterstützen und gemeinsam Lösungen für Herausforderungen zu erarbeiten. So weit, so „normal“ also.

  • Obornik Werbetechnik Produktion 1
    Egal ob flexible oder starre Materialien, bei Obornik wird alles hergestellt, was in der Welt der Werbung gebraucht wird. (Bild: Obornik Werbetechnik)

Wo sich das Unternehmen aber von den meisten anderen Werbetechnikbetrieben unterscheidet ist das Thema Nachhaltigkeit. Erst im Januar wurde Obornik mit Hilfe der Klima-Agentur Climate Extender als einer der ersten Betriebe seiner Art klimaneutral gestellt. Doch das Engagement des Geschäftsführers geht deutlich über das Kompensieren von Emissionen hinaus.

Herausforderung Materialvielfalt

„Grundsätzlich sind wir Werbetechniker ja ziemliche ‚Umweltschweine‘“, erklärt Geschäftsführer Leif Obornik selbstkritisch. „Wir verarbeiten so dermaßen unterschiedliche Materialien, viele PVC-haltige Medien und Aluminium-Verbundmaterialien, die in der Herstellung schon aufwendig sind und auch beim Recycling nicht zu den einfachen Kandidaten zählen. Hinzu kommt, wenn wir Werbeanlagen fertigen oder Buchstaben fräsen, gibt es immer viel Verschnitt, den man nicht mehr verwenden kann.“ Das Unternehmen setzt daher schon seit Jahren auf die möglichst sortenreine Mülltrennung – auch wenn die in der Werbetechnik längst nicht so einfach wie in einem Haushalt ist und viel Platz benötigt.

Oborniik Werbetechnik Klimaneutrales Unternehmen

Das Zertifikat „Klimaneutrales Unternehmen“ gilt für ein Jahr und muss erneuert werden. Leif Obornik, sein Team und Climate Extender arbeiten bereits an der Re-Zertifizierung. (Bild: Screenshot)

Richtig an Fahrt aufgenommen haben die Themen Nachhaltigkeit und Klimaneutralität bei Obornik aber vor allen in den letzten zwei Jahren. „Die Medien waren von diesem Thema natürlich beherrscht“, erinnert sich Leif Obornik. „Aber ich habe auch zwei kleine Kinder, die mich irgendwann einmal fragen werden, inwiefern ich eigentlich meinen Beitrag geleistet habe. Also habe ich angefangen, mich ganz bewusst mit dem Thema auseinanderzusetzen.“

Klimaneutrales Unternehmen

„Jedes Unternehmen hat einen CO2-Fußabdruck. In diesen Wert fließen Faktoren wie der Energiebedarf – also Strom, Gas, Wasser – mit ein, aber auch der Fuhrpark, die Motorisierung, die zurückgelegten Kilometer und die Speditionswege, ebenso wie die Fahrtwege unserer Mitarbeiter und der Bürobedarf. In unserem Fall kam ein Gesamtwert von 117 Tonnen CO2 heraus, die wir seitdem über den Zukauf von Zertifikaten kompensieren. Über diese Zertifikate werden verschiedene Nachhaltigkeitsprojekte unterstützt“, erklärt der Geschäftsführer. Im Falle von Obornik ist das eine Biogasanlage in Indien und ein Windpark in Pakistan.

Emissionen müssen global betrachtet werden

Die Frage, warum es keine regionalen Projekte sind, ist schnell beantwortet. Denn es gibt laut Obornik in Deutschland relativ wenige solcher Projekte und die nutze meist die Regierung selbst. „Das ist zwar schade, aber das CO2-Problem ist ja ein globales Thema. Es spielt keine Rolle, wo auf der Welt man seinen Ausstoß kompensiert – die Hauptsache ist, man tut etwas.“

Dabei kommen die Kompensations-Projekte nicht nur dem Klima zugute, sondern auch den Menschen in den Regionen, denn sie setzen sich zusätzlich auch für den Zugang zu Bildung, sauberes Wasser, Geschlechtergleichheit oder menschenwürdige Arbeitsbedingungen ein.

Überzeugungstäter

Leif Obornik ist sich darüber bewusst, dass er mit den Zertifikaten nicht die Welt retten werde, „aber es ist ein Anfang und ein Ansporn, immer noch etwas mehr zu tun. Das Zertifikat ist nichts, worauf man sich ausruhen kann – es ist ein fortwährendes Projekt, bei dem man am Ball bleiben muss. Die EU hat sich Klimaziele für 2030 bzw. 2050 gesetzt – aber das dauert mir zu lange. Mir war es wichtig, mit diesem Thema jetzt anzufangen.“

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Auch das Team von Obornik Werbetechnik zieht bei den Bemühungen für mehr Nachhaltigkeit mit. Der Zertifizierung-Prozess ist schließlich keine kurzfristige Aktion, sondern eine fortwährende Aufgabe, in der man immer nach neuen Möglichkeiten für Verbesserungen sucht. (Bild: Obornik Werbetechnik)

Bewusstsein schaffen

Wenn die Leute wüssten, wie überschaubar der Aufwand für die Zertifizierung sei – Obornik spricht von einem Tag für die Ermittlung aller Werte und von Kosten deutlich unter 2000 Euro (für den Emissionswert seines Unternehmens) – dann würden es viel mehr machen, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Heruntergebrochen auf die 1600 bis 1700 Aufträge, die bei Obornik pro Jahr realisiert werden, sei das gerade mal etwas über einen Euro pro Auftrag. Plötzlich erscheint der Einsatz für mehr Klimaschutz also mehr als machbar. Dabei gehe die Tendenz sogar noch nach unten, denn der Fachmann achtet längst auch in vielen anderen Bereichen auf mehr Umweltfreundlichkeit – was sich direkt auf den CO2-Fußabdruck auswirken dürfte.

Viele kleine Bausteine tragen das Ihre bei

So hat das Unternehmen 2019 beispielsweise in eine Photovoltaikanlage investiert, mit der in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr bereits 50 Tonnen CO2 eingespart werden konnten. „Jeder kann etwas tun“, ist sich Obornik denn auch sicher. „Wer ein altes Gebäude hat, kann es dämmen, wer noch keine LED-Beleuchtung hat, kann sie umstellen. Ich habe einen Kollegen, der ein Blockheizkraftwerk betreibt, was auch umweltfreundlicher ist als andere Heizmethoden.“ Darüber nachzudenken, wie man den CO2-Fußabdruck seines Unternehmens Stück für Stück verringern kann, sei genau der Prozess, den eine solche Zertifizierung in Gang setzt.

Und darum wird bei den Hildesheimern inzwischen eben auch mit LEDs beleuchtet, Oköstrom bezogen oder – eine winzige, aber aussagekräftige Kleinigkeit – mit papierbasiertem Klebeband gearbeitet. Natürlich müsse aber jede Maßnahme auch Sinn machen. Gerade was die Produkte angeht. „Was nützt mir ein Schild, das zwar umweltfreundlich produziert wurde, aber schon nach zwei Jahren ausgetauscht werden muss“, gibt der Fachmann zu bedenken.

  • Obornik Werbetechnik Gebäude Zertifikat
    2015 ist das Unternehmen in das neue Gebäude gezogen und ist daher energetisch gesehen gut aufgestellt. (Bild: Obornik Werbetechnik)

„Wir legen Wert darauf, dass wir die Sachen so herstellen, dass sie über viele Jahre halten – da wo es erforderlich ist. Plakate oder Banner für ein Wochenend-Festival müssen zum Beispiel nicht auf PVC gedruckt und fünf Jahre UV-stabil im Außenbereich sein“, so Obornik. Für sein Team bedeutet das aber auch, sich noch stärker mit den Anforderungen der Kunden auseinandersetzen und sie intensiver beraten zu müssen.

Materialhersteller müssen in die Pflicht genommen werden

In Sachen Produkte gibt es laut Leif Obornik aber noch ein anderes – wirklich gravierendes – Problem, das sich nicht so einfach aus der Welt schaffen lässt. Denn: „Unsere ganze Unternehmung ist klimaneutral gestellt, unsere Produkte sind es aber nicht.“ Warum das so ist?

„Die Hersteller der Materialien sind bisher nicht dazu verpflichtet, die CO2-Werte ihrer Materialien zu ermitteln und weiterzugeben, dadurch können wir unsere Produkte aber nicht bilanzieren und ausgleichen. In der Druckindustrie wird das schon längst gemacht, dort weiß man, welchen CO2-Fußabdruck eine Tonne Papier hat – für eine Tonne Aluminium-Verbundmaterial weiß ich das nicht“, ärgert sich der Geschäftsführer.

„Ich glaube, das ist noch ein ziemlich langer Weg, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es irgendwann gesetzlich gefordert sein wird, für jedes Material den CO2-Fußabdruck anzugeben. Spätestens bis 2050, wenn die EU ihre Klimaziele erreichen will.“ Doch je mehr Werbetechnik-Betriebe es Leif Obornik gleichtun, desto mehr steigt vielleicht auch der Druck auf die Hersteller zu einem früheren Handeln. Innerhalb des Werbeland-Verbundes konnte Obornik zumindest schon einige Kollegenbetriebe davon überzeugen, sich ebenfalls zertifizieren zu lassen.

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Das Zertifikat „Klimaneutrales Unternehmen“ ist für Leif Obornik nicht nur eine kurzfristige Geschichte, sondern eine fortwährende Aufgabe, darüber nachzudenken, wo man noch ein bisschen mehr tun kann. (Bild: Obornik Werbetechnik)

2 kommentarer till “Werbetechnik und Nachhaltigkeit müssen sich nicht ausschließen”
  1. Wilfried Obornik sagt:

    Viele kleine Schritte werden unsere Umwelt retten. Einfach loslegen und nicht auf die Anderen warten, eventuell warten wir vergeblich.

  2. Peter Rost sagt:

    Seit 2007 ist Nachhaltigkeit für uns ein wichtiges Thema. Seit dieser Zeit bemühen wir uns (damals mit der Zertifizirungsagentur „Climat Partner“) um die Zertifizierung. Aber so lange die eigene Photovoltaikanlage mit bisher 720 Tonnen CO² Einsparung nicht in unseren CO²-Fussabdruck eingerechnet werden, darf ist das aktuelle Zertifizierungssystem reine Geldschneiderei mit fragwürdigem Effekt.

    Und so arbeiten wir weiterhin an unserer Nachhaltigkeit, allerdings ohne Zertifikat.
    Das Ergebnis zählt!

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