Yellotools schenkt Werbetechnikern sprichwörtlich „ein zweites Paar Hände“

Michael Althoff Geschäftsführer von Yellotools

Michael Althoff, Gründer und Geschäftsführer von Yellotools: „Wenn Sie nicht für das brennen, was sie tun, können Sie es auch gleich bleibenlassen.“ Seine Begeisterung für die Werbetechnik spürt jeder, der ihn schon einmal in Aktion erlebt hat. (Bild: Peter Ollén)

„Wenn man nicht für das brennt, was man tut, dann sollte man es gleich bleibenlassen“, davon ist Michael Althoff, Gründer und Geschäftsführer von Yellotools überzeugt – und liefert dafür selbst den besten Beweis. Denn die Begeisterung für seinen Job hört man aus jedem Satz heraus. Wie der gelernte Rundfunk- und Fernsehtechniker zur Werbetechnik kam, Yellotools zum Weltmarktführer im Bereich Werkzeuge für Werbetechniker machte und welche Rolle in den letzten Monaten der britische Gesundheitsdienst NHS spielte, hat er im Gespräch mit Sign&Print verraten.

Während die einen Unternehmen ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, die Produktion drosseln oder gar stilllegen mussten, hatte Michael Althoff das gegensätzliche „Problem“: Er hatte mehr Geschäft, als er mit seinen 35 Mitarbeitern am Standort Windeck bewältigen konnte. Kein klassisches Geschäft zwar, aber davon sehr viel: „Wir haben Faceshields, Spuckschutzwände und Blutabnahmestationen gebaut – und am Ende sogar für den britischen Gesundheitsdienst NHS produziert. Die riefen an, ob wir 1000 Faceshields machen könnten, dann fragten sie nach 10.000, nach 25.000, dann nach 25.000 pro Woche. Das ging bäm, bäm, bäm, Schlag auf Schlag“, erinnert sich Althoff.

„Durch die japanische Kaizen-Philosophie, die wir schon seit Jahren leben, dank unserer schlanken Prozesse und dank der Flexibilität meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren wir in der Lage, innerhalb von 48 Stunden die komplette Produktion entsprechend umzuschmeißen.“ Doch die hohe Nachfrage brachte das Yellotools-Team an seine Grenzen. Also stellte der Geschäftsführer kurzerhand 30 zusätzliche Leute ein, die durch den Lockdown in Kurzarbeit waren oder hätten gehen müssen.

  • Yellotools Team 2019
    Das Team von Yellotools ist inzwischen auf 35 Mitarbeiter angewachsen. (Bild: Yellotools)

„Wir haben zusätzlich eine zweite Schicht angefangen und von morgens um 6 bis abends um 23 Uhr produziert. In diesen drei Monaten haben wir allein für den NHS knapp 500.000 Faceshields hergestellt. Das war echt verrückt. Außerdem haben wir uns hingesetzt und überlegt, mit welchen unserer Produkte wir den Werbetechnikern, die in der Krise vielleicht ihren zweiten Mann entlassen mussten, sprichwörtlich ein zweites Paar Hände geben konnten, damit er auch allein weiterarbeiten konnte. Diese Produkte haben wir ganz gezielt beworben.“

Inzwischen stehen die Zeichen bei Yellotools wieder auf Normalisierung: „Wir haben gesehen, dass unsere eigentlichen Aufträge wieder da sind und haben die Produktion der Hygieneprodukte gestoppt. Schließlich sind wir nicht Yello-Medical, sondern Yellotools“, lacht Althoff. „Wir sind einfach dankbar und glücklich, dass wir diesen ganzen Wahnsinn wieder umkehren konnten und jetzt Business as usual machen können“.

Von der Rollenklammer zum Vollsortiment

Aber was heißt Business as usual bei Yellotools eigentlich? Das Unternehmen mit dem markigen Teufelscowboy im Logo ist heute der Weltmarktführer, wenn es um (Sonder-)Werkzeuge für Werbetechniker geht. „We love what you hate“ ist der Leitspruch von Yellotools, „wir lieben, was du hasst“. Gemeint ist damit, dass Althoff mit seinem Team Werkzeuge für all die kleinen Arbeitsschritte eines Werbetechnikers herstellt, die vorher für Frust, Ärger oder gar Verletzungen gesorgt haben. Tausend kleine Dinge, die das Werbetechniker-Leben einfacher machen, könnte man sagen.

  • Yellotools Rakel, orange Spritzgiessautomat
    Yellotools-Rakel entstehen in den Spritzgiessautomaten am Standort Windeck. (Bild: Yellotools)

Und genauso fing auch alles an: Mitte der Neunziger Jahre hatte der gelernte Rundfunk- und Fernsehtechniker Althoff seine Liebe für die Werbetechnik entdeckt und „im beschaulichen Windeck mit einem kleinen Plotter von Roland angefangen, bunte Bilder auf die Straßen zu bringen.“ Er hat den hiesigen Metzger, Bäcker oder die örtliche Feuerwehr bedient und sich dabei immer als Gesamtdienstleister verstanden, der nicht nur die Schilder für den Hubschrauberflug zum Fest produzierte, sondern sich auch um die Fluggenehmigung kümmerte.

„Das hat super viel Spaß gemacht“, erinnert er sich, „und dann kam irgendwann die Idee, mit der alles anfing. Es ging um die Folienrollen, die sich ja gerne wieder aufrollen, wenn man sie hinstellt. Also hat man Klebeband draufgemacht. Nun sieht aber der Alltag eines Werbetechniker so aus: grün, blau, rot, blau, gelb, grün… Es muss so oft die Plotterfolie gewechselt werden, und wenn Sie jedes Mal das Klebeband abziehen und wieder draufkleben müssen, summiert sich das auf. Und wenn Sie dann noch eine Farbe haben, die Sie selten verwenden, verschmilzt der Kleber mit der Folie und Sie können die ersten 10 cm der Folie gleich wegschmeißen. Darauf hatte ich irgendwann keinen Bock mehr.“

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Mit dem SpeedClip zum sicheren Halt der Folienrollen hat alles angefangen. Bis heute hat Yellotools mehr als 4 Mio. der Klammern verkauft. (Bild: Yellotools)

Gesagt, geändert. Kurzerhand hat er sich Klammern aus Kunststoff „gebastelt“, mit Plastikstreifen, einem Heißluftföhn und einem Nagelbrett für die richtige Form. Als ein befreundeter Werbetechniker die Klammern, die heute Speedclip, gesehen hat und auch welche wollte, nahm die Yellotools-Geschichte ihren Lauf.

„Das war quasi der erste Schritt auf die andere Seite der Theke. Inzwischen haben wir vermutlich gut 4 Millionen von diesen Dingern verkauft“, erinnert sich Althoff. Inzwischen beschäftigt der Geschäftsführer 35 Mitarbeiter in Windeck, hat eine Niederlassung in Los Angeles und vertreibt seine Produkte über mehr als 300 Verkaufsstellen weltweit.

Heute, gut 16 Jahre nach der Gründung von Yellotools, umfasst das Kernsortiment gut 500 Produkte. Zählt man die verschiedenen Varianten noch dazu, kommt man locker auf eine vierstellige Zahl. Dabei reicht das Sortiment von Werkzeugen für das Beschriften, Schneiden, Rakeln, Applizieren oder Montieren bis hin zu Produkten für das Reinigen, Lagern, Carwrapping oder das Merchandising.

Made in Germany

Besonders stolz ist Michael Althoff darauf, dass der Löwenteil der Werkzeuge in Deutschland produziert wird, in seiner Manufaktur in Windeck. „Unser großes Bestreben ist es, irgendwann mal 0 Prozent China und 100 Prozent Deutschland zu haben. Derzeit sind wir bei 75 Prozent Made in Germany.“

Dabei geht es dem Geschäftsführer vor allem darum, die Kontrolle über die Produktion und die Inhaltsstoffe zu haben. „Wenn wir Fehler entdecken, können wir sie sofort korrigieren. Außerdem wissen wir ganz genau, was in den Trichter unserer Spritzgussmaschinen eingefüllt wird“, betont Althoff. Warum das wichtig ist? „Was sieht man bei einem Werbetechniker zuerst? Einen Rakel, das Ding hat jeder in der Hand. Oder eben im Mund, wenn man ihn eigentlich mal ablegen müsste. Das macht jeder so. Aber ich habe mich irgendwann gefragt, aus welchem Kunststoff der Rakel eigentlich besteht. Immerhin muss er flexibel sein, sich gut anschmiegen – doch dann kommt das Thema Weichmacher ins Spiel.“

Michael Althoff_Yellotools

„Signmaking ist der beste Job der Welt“, das sagt Michael Althoff nicht nur so daher – seine Begeisterung hört man aus jedem Satz heraus. (Bild: Yellotools)

Die großen Hersteller konnten ihm seine Fragen nicht beantworten, also fing er wieder selbst an, zu tüfteln. Das Ergebnis: Schon seit fast 15 Jahren gibt es bei Yellootools Rakel aus zertifizierten, lebensmittelechten Kunststoffen. „Mir war es eben nicht egal, welche Inhaltsstoffe da drin sind. Ich will nicht, dass meine Kunden irgendwann tot umfallen, weil sie giftige Weichmacher aus dem Kunststoff geschluckt haben.“

Aber es gibt nicht nur Rakel aus gesundheitlich unbedenklichem Kunststoff. Auch ein Rakel der gegen statische Aufladungen wirkt, gehört zum Portfolio, ebenso wie ein Rakel, der antibakteriell gegen die Keime auf den Oberflächen wirkt. Und zusammen mit dem Fresenius Institut hat Michael Althoff einen Rakel entwickelt, der zu 99,9 Prozent biologisch abbaubar ist.

„Es ist ein Compound, das zu 30 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, in dem Fall Kiefernholz. Dem Biomaterial wird zusätzlich eine Mikrobe beigemischt, die später dafür sorgt, dass das Produkt vollständig abgebaut wird, denn die Mikrobe frisst auch den Kunststoffanteil, aus dem der Rakel besteht“.

Von Werbetechnikern für Werbetechniker

Alle Produkte des Unternehmens aufzuzählen, würde freilich zu lange dauern, aber eines ist sicher: Der Einfallsreichtum von Michael Althoff kennt keine Grenzen. Wobei es nicht nur er ist, wie er betont. „Wir haben einen rund 80-seitigen Katalog mit den coolsten, innovativsten Sachen – und die schenken uns zu einem großen Teil unsere Kunden. Wir haben ein System entwickelt, das nennt sich DBS – designed by Signmakers. Wenn wir eine Kundenidee bekommen und umsetzen, dann nennen wir das Produkt teilweise sogar nach dem Kunden, wie zum Beispiel das SasserCut, ein supercooles Mittenmesser, das von Roland Sasser aus Atlanta, Georgia entwickelt wurde.“

  • Yellotools Twister

Zusätzlich wird das Produkt mit dem DBS-Logo gekennzeichnet und sogar ein Bild des Ideengebers/Entwicklers dazugestellt. „So sehen die anderen Kunden, dass das Ding wirklich aus der Anwendung stammt und aus der Not heraus geboren wurde“, so Althoff. Kein Wunder also, dass inzwischen Leute aus aller Welt in Windeck anrufen und ihr Konterfei und Namen gerne an einem der Yellotools-Produkte sehen wollen. „Dadurch teilen Sie uns oft die besten und coolsten Ideen mit.“ Womit wir wieder bei Begeisterung und Leidenschaft wären.

Dieser Artikel erschien erstmals Anfang September 2020

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