Neue ISO-Normen für die Druckindustrie

Neue ISO-Normen Druckindustrie

In den letzten Wochen sind eine Reihe neuer ISO-Normen für die Druckindustrie erschienen. Neuerungen gab es unter anderem bei den PDF-Austauschformaten sowie bei den Prüfmethoden für Druckqualität und Opazität von Deckweiß-Schichten. (Bild: pixabay.com / Stux / EsaRiutta)

In der Druckindustrie kommen Normen schon seit jeher zum Einsatz. Nun sind, wie der Bundesverband Druck und Medien informiert, mehrere neue ISO-Normen für Druck- und Medienunternehmen erschienen. Bei deren Entwicklung stand neben Neuerungen bei den PDF-Austauschformaten auch die Normung von Prüfmethoden zur Bewertung der Bildqualität und gedruckter Deckweiß-Schichten im Mittelpunkt.

Überarbeitet wurde mit der PDF-Norm ISO 32000-2 beispielsweise die bereits 2017 eingeführte PDF-Version 2.0. Da sich die Revision vor allem auf Klarstellungen konzentrierte und keine neuen Funktionen implementiert wurden, blieb die Versionsnummer erhalten. Ein Upgrade mit neuen Features erhielten jedoch die wichtigsten PDF-Spezifikationen für den Druckdatenaustausch – PDF/X und PDF/VT (für variable Daten) – die erst mit PDF 2.0 verfügbar wurden.

PDF 2.0 umfasst Elemente für die Druckproduktion, die zuvor kein Bestandteil der PDF/X-Spezifikationen waren. Dazu zählen, wie der BVDM erklärt, die Tiefenkompensierung, die spektrale Definition von Sonderfarben oder die Möglichkeit, Ausgabeabsichten (Output Intents) seitenbezogen zuzuweisen (z.B. wenn für eine Publikation sowohl Bilderdruck- als auch Naturpapier eingesetzt wird).

Um diese Funktionen für die Druckindustrie zu erschließen, wurde die PDF/X-Normenreihe ISO 15930 nun um einen neunten Teil für die Spezifikation PDF/X-6 ergänzt. PDF/X-6 soll sowohl PDF/X 4 (ISO 15930-7) als auch das kaum bekannte PDF/X-5 (ISO 15930-8) ablösen. Wie in PDF/X-5 können in PDF/X-6 Multicolorprofile verwendet werden, um Daten für den Druck mit mehr als vier Primärfarben auszutauschen. PDF/X-4 bietet diese Möglichkeit noch nicht.

PDF/X-6 ist zu PDF/X-4 (und damit auch zu PDF/X-3 und PDF/X 1a) abwärtskompatibel, in einigen Belangen aber weniger restriktiv als seine Vorgänger. So sollen PDF/X-6-Dokumente etwa nicht-druckbare Notizzettel und grafische Anmerkungen sowie Formularfelder und digitale Unterschriften enthalten dürfen. Auch Aktionen seien zulässig, soweit diese nicht in die Seitendarstellung eingreifen.

Um die Möglichkeiten von PDF 2.0 auch für den variablen Datendruck nutzbar zu machen, wurde das auf PDF/X basierende Austauschformat PDF/VT ebenfalls aktualisiert: Der neue Teil 3 der Normenreihe ISO 16612 beschreibt die Spezifikation PDF/VT-3 auf der Grundlage von PDF/X-6.

Druckbildqualität bewerten

Der Digitaldruck ist auch ein Hauptanwendungsgebiet für die neuen Teile 21 und 31 der Spezifikationenreihe ISO/TS 18621. Die dort beschriebenen Prüfverfahren sollen es unter anderem ermöglichen, die Druckbildqualität verschiedener Ausgabesysteme objektiv miteinander zu vergleichen.

So soll sich die Wolkigkeit (makroskopisches Mottling) in ein- oder mehrfarbig aufgebauten homogenen Farbflächen mit Hilfe der in Teil 21 beschriebenen Methode erkennen lassen. Eine beispielhafte Anwendung ist der „M-Score“ bei der technischen Prüfung von Digitaldrucksystemen. Auf dem „L-Score“, der dort als Prüfgröße für die Detailschärfe verwendet wird, baut Teil 31 der neuen Spezifikationenreihe auf.

Mit der bereits Ende 2019 veröffentlichten ISO/TS 18621-11 steht laut BVDM außerdem eine Methode zur Verfügung, mit dem sich anhand der Charakterisierungsdateien oder ICC-Profile von Drucksystemen das Volumen der CMYK- oder RGB-Ausgabefarbräume bestimmen lässt.

Wie gut sind Deckweiß-Schichten?

Eine standardisierte Methode gibt es nun auch, um zu prüfen, ob die visuelle Opazität einer gedruckten Deckweiß-Schicht den Anforderungen entspricht. Die neu erschienene ISO 23498 beschreibt den dafür erforderlichen Drucktest und dessen Auswertung. Das sei vor allem für diejenigen Druckdienstleister interessant, die häufig mit Deckweiß auf transparenten oder farbigen Materialien drucken.

Wer transparente oder farbige Materialien mit Deckweiß bedruckt, kann jetzt mit einer standardisierten Methode prüfen, ob die visuelle Opazität der gedruckten Deckweiß-Schicht den Anforderungen entspricht. Die neu erschienene ISO 23498 beschreibt den dafür erforderlichen Drucktest und dessen Auswertung.

Sämtliche Normen und Technischen Spezifikationen können beim Beuth-Verlag, Berlin, bestellt werden. Während sich ISO 23498 direkt an die Anwender in Druck- und Medienunternehmen richtet, sind die Inhalte der übrigen Normen vor allem für die Anbieter von Branchenlösungen relevant.

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